Manche schwören darauf, für andere ist allein die Vorstellung befremdlich: Ölziehen. Doch kann diese Praktik tatsächlich zur Mundhygiene beitragen und Bakterien beseitigen?
Ölziehen ist eine traditionelle Methode der Mundhygiene, die ihre Wurzeln in der ayurvedischen Medizin hat. In Ayurveda-Texten wird das Ölziehen als Teil der täglichen Routine zur Förderung der allgemeinen Gesundheit und zur Vorbeugung von Krankheiten beschrieben.
Dabei bewegt man einen Esslöffel Öl, heutzutage wird oft hochwertiges Kokos- oder Sesamöl empfohlen, für zehn bis 20 Minuten langsam im Mund hin und her. Befürworter dieser Praxis glauben, dass das Öl Giftstoffe und Bakterien aus dem Mund zieht und so zur Verbesserung der Mundgesundheit sowie zur Förderung des allgemeinen Wohlbefindens beiträgt. Da das Öl die Gift- und Schadstoffe im Mundraum und Speichel binden soll, wird geraten, das Öl nach der Prozedur auszuspucken.
Dem Ölziehen wird von seinen Anhängern eine Reihe positiver Wirkungen zugeschrieben, insbesondere im Bereich der Mundgesundheit. Hierzu sollen weißere Zähne ebenso gehören wie weniger Mundgeruch und reduzierte Zahnfleischprobleme. Auch bei Herzproblemen, Kopfschmerzen oder Arthrose sowie weiteren gesundheitlichen Beeinträchtigungen soll diese Technik helfen. Wenig verwunderlich also, dass es in den vergangenen Jahren auch in westlichen Ländern an Popularität gewonnen hat. In sozialen Netzwerken und entsprechenden Foren wird diese Ayurveda-Technik in verschiedenen Kontexten vorgestellt und angepriesen.
Wissenschaftliche Studien zur Wirksamkeit des Ölziehens sind jedoch begrenzt, eine gesundheitlich positive Wirkung auf den Körper nicht entsprechend belegt. Zwar gibt es einige Studien, diese untersuchen den Effekt des Ölziehens jedoch oft nur in einem kurzen Zeitraum von wenigen Wochen. Ein langfristig positiver Effekt ist so nicht festzustellen. So wurde in einer dreiwöchigen Studie zwar ein positiver Einfluss des Ölziehens auf die Mundgesundheit festgestellt, derselbe positive Effekt wurde jedoch auch bei der regelmäßigen Nutzung von Mundwasser erkannt. Andere Studien, die die Wirksamkeit dieser ayurvedischen Technik belegen, wurden etwa von einem Sesam-Öl-Hersteller finanziert und sind daher kritisch zu betrachten.
Obwohl Ölziehen von einigen Menschen als vorteilhaft empfunden wird, gibt es auch potenzielle Risiken. So sollte Ölziehen nicht als Ersatz für das Zähneputzen, die Verwendung von Zahnseide und regelmäßige Zahnarztbesuche betrachtet werden. Es kann eine ergänzende Methode einer umfassenden Mundhygiene sein, aber es ersetzt nicht die Notwendigkeit für grundlegende Mundpflege.
Zudem können manche Menschen allergisch auf bestimmte Öle reagieren, was zu Reizungen oder anderen allergischen Symptomen führen kann. Dies sollte im Vorfeld überprüft werden. Bei spezifischen Fragen oder gesundheitlichen Bedenken ist es ratsam, einen Zahnarzt oder Arzt zu konsultieren, insbesondere wenn man bestehende gesundheitliche Probleme hat. Sofern keine medizinischen Gründe gegen diese Praxis sprechen, kann Ölziehen die Mundhygiene unterstützen. Obwohl ein signifikanter Effekt nicht belegt ist, auch langfristige negative Folgen sind bei entsprechender Nutzung wissenschaftlich nicht nachgewiesen.
Quellen:
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