Ein Sturz beim Sport oder eine Unachtsamkeit beim Toben und schon ist es passiert: ein Zahnunfall. Solche Zahnunfälle, zahnmedizinisch als dentale Traumata bezeichnet, sind häufig. Mehr als die Hälfte aller Menschen erleiden vor dem 17. Lebensjahr ein derartiges Ereignis. Besonders gefährdet sind Kinder im Alter von zwei bis drei Jahren sowie von sieben bis elf Jahren. Jungen sind dabei dreimal häufiger betroffen als Mädchen.
Die richtige und schnelle Reaktion kann jetzt entscheidend sein, um bleibende Schäden, sowohl beim Kind als auch beim Erwachsenen, zu vermeiden. Welche Maßnahmen sind notwendig, um den beschädigten Zahn zu retten und wann ist ein Besuch bei der Zahnärztin oder beim Zahnarzt unerlässlich?
Die richtige erste Hilfe bei Zahnunfällen beginnt mit der Einschätzung der Situation: Ruhe zu bewahren und sich einen Überblick über die Verletzung zu verschaffen. Gerade wenn ein Kind einen Zahnunfall erleidet, ist dies besonders wichtig, da es die Situation und deren Konsequenzen oft nicht richtig einschätzen kann. Häufig ist der erste Schritt, Blutungen zu stoppen. Dies kann mit einer sterilen Mullbinde oder einem sauberen Tuch erreicht werden, indem leichter Druck auf die verletzte Stelle ausgeübt wird. Ein sanftes Ausspülen des Mundes mit warmem Wasser hilft, Schmutz oder Fremdkörper zu entfernen, wobei darauf geachtet werden sollte, nicht zu kräftig zu spülen, um weitere Verletzungen zu vermeiden.
Sollte bei dem Unfall der Zahn ausgeschlagen oder ein Stück des Zahns abgebrochen sein, ist es wichtig, diesen Zahn zu finden. Denn grundsätzlich ist es möglich, Zähne wieder in den Kiefer einzusetzen. Damit sie jedoch erfolgreich anwachsen, muss die empfindliche Wurzelhaut bis zur weiteren Behandlung unversehrt bleiben. Bei unsachgemäßer Lagerung können die Zellen auf der Wurzeloberfläche innerhalb kurzer Zeit beschädigt werden.
Der Zahn sollte daher vorsichtig an der Krone, also dem sichtbaren Teil, angefasst werden. Durch Abspülen mit Speichel, Kochsalzlösung oder H-Milch ohne die Wurzel zu berühren oder zu schrubben, kann man den Zahn reinigen, ohne die empfindlichen Zellen auf der Wurzeloberfläche zu beschädigen. Um die Überlebenschancen des Zahns zu maximieren, muss er feucht gehalten werden. Idealerweise wird der Zahn im Zahnfach platziert und durch sanftes Zubeißen auf ein Stück Mull fixiert. Die beste Möglichkeit der Aufbewahrungsbox, ist dies nicht möglich, eignet sich eine Tasse H-Milch. Alternativ kann der Zahn im Mund, zwischen Wange und Zahnfleisch, gelagert werden. Leitungswasser sollte vermieden werden, da es die Zellen auf der Zahnwurzel schädigen kann und eine erfolgreiche, weiterführende Behandlung verhindert. Sollte der beschädigte Zahn nicht mehr eingesetzt werden können, berät die behandelnde Zahnärztin oder der behandelnde Zahnarzt über die verschiedenen Möglichkeiten, die Zahnlücke zu schließen.
Doch ein ausgeschlagener Zahn ist nur eine von verschiedenen Möglichkeiten eines Zahnunfalls. Es gibt noch weitere, bei denen ebenfalls eine entsprechende erste Hilfe notwendig ist.
Ein schneller Besuch in einer zahnmedizinischen Praxis, idealerweise innerhalb von 30 Minuten nach dem Zahnunfall, ist entscheidend, um die Chancen auf das Überleben des Zahns zu erhöhen. Unabhängig davon, ob der Zahn erfolgreich zurückgesetzt wurde oder nicht, ist eine zahnärztliche Untersuchung unerlässlich. Bei starken Schmerzen der Zähne oder des Kiefers, anhaltenden Blutungen oder offensichtlichen Verletzungen des Zahnhalteapparats sollte sofort professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden.
Verschiedene Hausmittel können unterstützend wirken, um Schmerzen nach einem Zahnunfall zu lindern und die Heilung zu fördern. Eine kalte Kompresse oder ein Eisbeutel, der außen auf die betroffene Stelle an der Wange gelegt wird, kann helfen, Schwellungen und Schmerzen zu reduzieren. Eine lauwarme Salzwasserspülung (ein Teelöffel Salz in einem Glas warmem Wasser) kann den Mund reinigen und Infektionen vorbeugen. Nelkenöl, bekannt für seine schmerzlindernden Eigenschaften, kann mit einem Wattestäbchen vorsichtig auf die betroffene Stelle aufgetragen werden, um Schmerzen zu lindern.
Zahnunfälle können sehr beunruhigend sein, doch mit der richtigen Vorbereitung und einer schnellen, gezielten Reaktion lassen sich viele Schäden minimieren oder sogar vollständig vermeiden. Die Kenntnis der ersten Schritte im Umgang mit einem Zahnunfall, das Verständnis dafür, wann professionelle Hilfe erforderlich ist, und die Anwendung einfacher Hausmittel können einen erheblichen Unterschied machen. Der Besuch bei der Zahnärztin oder dem Zahnarzt bleibt jedoch unerlässlich, um eine genaue Diagnose zu stellen und eine angemessene Behandlung nach einem Zahnunfall zu gewährleisten. So kann eine mögliche negative Auswirkung auf die Zähne so weit wie möglich reduziert werden. Die Zahnärztin bzw. der Zahnarzt kann entsprechend auch über die möglichen weiteren Behandlungsschritte bis hin zu einem Zahnersatz beraten.
Quellen:
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