Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum Ihr Ober- oder Unterkiefer nach einem stressigen Tag schmerzt oder warum Sie morgens mit einem unangenehmen Druckgefühl im Gesicht aufwachen? Kieferverspannungen sind ein weit verbreitetes, aber unterschätztes Problem, das viele Menschen betrifft. Sie können nicht nur zu Unbehagen führen, sondern auch die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.
Im menschlichen Unterkiefer steckt eine beeindruckende Kraft. Er kann einen Druck von durchschnittlich 80 Kilogramm ausüben. Das bedeutet: Er könnte theoretisch Nüsse knacken. Das wäre zwar nicht gut für die Zähne, die erforderliche Stärke ist in der Regel aber vorhanden. Vorausgesetzt, es gibt keine Probleme wie Schmerzen oder Blockaden. Die Ursachen dafür sind vielfältig und können sowohl körperlicher als auch psychischer Natur sein
Bruxismus ist eine häufige Ursache für Kieferverspannungen. In der Zahnmedizin meint man damit kauähnliche rhythmische Bewegungen der Kaumuskulatur, die oft über mehrere Minuten andauern. Wer von Bruxismus betroffen ist, knirscht unbewusst oder presst die Zähne kräftig zusammen – sowohl über den Tag verteilt als auch in der Nacht. Redewendungen wie „sich an etwas die Zähne ausbeißen“ oder „auf dem Zahnfleisch gehen“ weisen bereits darauf hin: Stress und innere Anspannung sind häufige Auslöser für Zähneknirschen. Die erhöhte Anspannung der Muskulatur bringt unangenehme Folgen mit sich. Denn je länger man knirscht, desto mehr nutzt man die Zähne ab. Schäden wie Risse im Zahnschmelz oder abgeschliffene Kauflächen sind die Folge.
Auch Kiefergelenkserkrankungen wie eine Kiefergelenksdysfunktion (Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD)) können zu Verspannungen begünstigen. Denn bei Personen, die unter CMD leiden, sind Zähne, Kiefergelenke, Kaumuskulatur und die Kiefer im Ungleichgewicht. Neben angeborenen Fehlstellungen und Verletzungen sind häufige Ursachen von CMD Zahnersatz oder Füllungen, die nicht exakt angepasst wurden. Stimmt die Bisshöhe nicht, sind die Zähne nicht korrekt verzahnt. Auch eine fehlerhafte kieferorthopädische Therapie kann zu einer Unausgewogenheit des Kauapparates führen.
Zu den häufigsten Beschwerden bei CMD zählen Kopfschmerzen und Migräne. Weiterhin kann es zu Schmerzen in der Kaumuskulatur und einem schmerzhaften Reiben und Knacken im Kiefergelenk kommen. Und auch Zahnschmerzen, Bruxismus, Schmerzen beim Öffnen des Mundes, Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich und Bewegungseinschränkungen des Unterkiefers treten im Zusammenhang mit einer Kiefergelenksdysfunktion häufiger auf.
Eine ungesunde Körperhaltung, besonders im Nacken- und Schulterbereich, kann die Belastung der Kiefermuskulatur erheblich erhöhen und Verspannungen in diesem Bereich bewirken. Denn die Kiefermuskeln müssen zusätzliche Arbeit leisten, um den Kopf in einer stabilen Position zu halten.
Stress und Angst sind weitere Faktoren, die häufig eine unbewusste Anspannung der Kiefermuskulatur auslösen. In stressigen Situationen neigen viele Menschen intuitiv dazu, die Zähne zusammenzubeißen oder den Kiefer anzuspannen. Diese Gewohnheit kann sich im Laufe der Zeit verstärken und zu chronischen Kieferproblemen führen. Chronischer Schlafmangel begünstigt ebenfalls Kieferverspannungen. Wenn der Körper nicht genügend Ruhe bekommt, können sich die Muskeln nicht ausreichend entspannen und regenerieren. Dies gilt auch für die Kiefermuskulatur.
Es gibt verschiedene Ansätze, um Kieferverspannungen zu behandeln und vorzubeugen, von einfachen Alltagsgewohnheiten bis hin zu Therapien, bei denen die Unterstützung von Expertinnen oder Experten erforderlich ist:
Obwohl einige Ursachen von Kieferverspannungen ohne medizinische Hilfe behandelt werden können, gibt es Situationen, in denen ein Besuch in einer kieferorthopädischen oder zahnärztlichen Praxis notwendig ist. Geräusche wie Knacken oder Reiben im Kiefergelenk beim Kauen oder Sprechen und mehrere Wochen anhaltende Schmerzen sollten von Expertinnen und Experten abgeklärt werden. Auch wenn Sie Schwierigkeiten haben, den Mund vollständig zu öffnen oder zu schließen, ist professionelle Hilfe ratsam.
Um Kiefer und Zähne vom Zähneknirschen zu entlasten, bekommen Betroffene in den meisten Fällen eine Aufbiss-Schiene aus Kunststoff, die verhindert, dass die Kauflächen direkt aneinander reiben. Um diese passgenau herzustellen, macht die Zahnärztin oder der Zahnarzt einen Abdruck oder Scan des Ober- oder Unterkiefers. Zahn- und Kieferfehlstellungen, die möglicherweise die Ursache für die Verspannungen sind, sollten ebenfalls nicht unbeachtet bleiben. Eine kieferorthopädische Behandlung mit Zahnspangen oder Alignern kann helfen, diese Fehlstellungen zu korrigieren und die Belastung der Kiefermuskulatur zu reduzieren.
In einigen Fällen kann eine Bisskorrektur durch das Anpassen der Zahnoberflächen notwendig sein, um einen gleichmäßigen Biss zu gewährleisten und die Kiefergelenke zu entlasten. Dies kann beispielsweise durch Schleifen der Zähne oder durch das Aufbringen von Zahnfüllungen oder Kronen erfolgen. Neben der klassischen Knirscherschiene gibt es die Okklusionsschiene, die speziell angepasst wird, um die Bisslage zu korrigieren und die Kiefergelenke zu entlasten. Sie hilft dabei, die Zahnkontakte zu harmonisieren und kann langfristig die Kiefermuskulatur entspannen.
Quellen:
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