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Vorsicht, Schmelzfresser!

12.06.2021

Orangensaft ist der beliebteste Fruchtsaft der Welt. Er schmeckt gut und ist gesund. Auf die Zahngesundheit kann er jedoch negative Wirkung haben, wenn man nicht aufpasst. Denn Säure und Zucker schaden den Zähnen. Wer ein paar Tipps beachtet, kann seinen Orangensaft auch weiterhin genießen.

Der perfekte Start in den Tag

Endlich Wochenende! Endlich Zeit für ein ausgiebiges Frühstück! 

Frühstück: Vielfältig, unterschiedlich, bunt - manches auch gesund! Quelle: unsplash

Was neben leckeren Croissants, fruchtiger Marmelade und aromatischem Kaffee auf vielen Frühstückstischen in Deutschland nicht fehlen darf: ein Glas mit frischem Orangensaft. Er macht den Start in den Tag perfekt. 

Und weil Orangensaft so beliebt ist, wird er auch gefeiert. Am 4. Mai ist der Orange Juice Day, der Tag des Orangensafts. Seine Ursprünge liegen in den USA. Ein bisschen kurios mutet dieser Feiertag schon an, aber es ist nicht die erste kuriose Idee aus Übersee. Ein Blick auf die Konsumzahlen bestärkt die Feierlaune und zeigt die weltweite Bedeutung des Getränks: Orangensaft ist der meistgetrunkene Saft und nimmt 50 Prozent des globalen Fruchtsaftkonsums ein. Die meisten Früchte, die zu Saft gepresst werden, stammen aus Brasilien, den meisten Import verzeichnet die EU.

Warum uns Orangensaft gut tut 

Warum trinkt alle Welt gerne Orangensaft? Ganz klar: Zunächst einmal wegen seines erfrischenden Geschmacks. Aber Orangensaft kann noch mehr. Der Fruchtdrink ist ein echtes Nährstoff-Depot: Neben Vitamin C – ein Glas Orangensaft mit 150 Millilitern kann bei einem Fruchtgehalt von 100 Prozent mehr als die Hälfte der empfohlenen Tagesration an diesem Vitamin abdecken – und jeder Menge Ballaststoffen, enthält er auch Antioxidantien wie Carotinoide und Flavonoide, die unsere Körperzellen vor schädlichen Umwelteinwirkungen schützen. 

Warum Zucker und Säure den Zähnen schaden

Aber er beinhaltet auch zwei Dinge, die unseren Zähnen gar nicht guttun: Zucker und Säure. Neben den bekannten Zahnerkrankungen wie Karies oder Parodontitis rückt damit eine weitere Erkrankung der Zahnoberfläche in den Fokus: die Zahnerosion. Zucker fördert bekanntlich die Kariesentstehung, weil gefährliche Säuren als Stoffwechselprodukt der im Mund lebenden Bakterien entstehen und den Zahn angreifen. Säuren in Lebensmitteln wirken sich dagegen unmittelbar auf den Zahn aus, indem sie Mineralien wie Kalzium und Phosphat aus dem Schmelz herauslösen. Dadurch wird der Zahnschmelz demineralisiert, der Zahn wird weich wie Butter, er erodiert. 

Wann man sich die Zähne putzen sollte

Nun könnte man meinen, Zähneputzen hilft. Denn dann ist auch die Säure im Mund weg. Aber so einfach ist es nicht. Denn es kommt auf den Zeitpunkt der Mundhygiene an. Wer direkt nach dem Konsum von Saft seine Zähne putzt, schadet ihnen sogar noch mehr. Sind die Zähne nämlich aufgrund der Säure aufgeweicht, und man schrubbt sich die Zähne kräftig, bürstet man dadurch den Schmelz weg. Das nennt man Abrasion. Und das ist unbedingt zu vermeiden. Denn einmal zerstörter natürlicher Zahnschmelz kann nicht wiederhergestellt werden, er ist unwiederbringlich verloren. Übrigens: 

Welche Rolle der pH-Wert spielt 

Über die Einwirkzeit hinaus ist auch die Stärke der Säure entscheidend. Der Säuregrad wird als pH-Wert angegeben. Werte zwischen 7 und 0 bezeichnet man als sauer. Je niedriger der ph-Wert, desto zerstörerischer wirkt die Säure im Lebensmittel auch auf die Zähne. Zum Vergleich: Menschlicher Speichel hat einen pH um 7, ist also neutral. Apfel- und Orangensaft haben einen pH-Wert von 3,5. Cola, Limo und Zitronensaft gehören zu den sauersten Getränken und liegen zwischen 2 und 3. 

Welche Schutzfunktion unser Speichel hat

Zwar ist Zahnschmelz das härteste Material, das unser Körper produziert. Unsere Zähne bestehen aus Kalziumapatit, einer Verbindung aus Calcium, Phosphat und Fluor. Aber Kalziumapatit ist, wie auch andere Kalziumsalze, säureempfindlich. Nach einem Glas Orangensaft heißt es also: warten. Warten darauf, dass der Speichel in unserem Mund seine Arbeit erledigt. Er hat eine wichtige Pufferfunktion und sorgt für die Remineralisierung der Zähne. Um eine Säureangriff auf die Zähne abzufedern, benötigt Speichel zehn bis zwanzig Minuten Zeit. In dieser Zeit ist der Zahn ungeschützt und kann Schaden erleiden durch die Behandlung mit Zahnbürstenborsten. Erosion und Abrasion verstärken sich dabei gegenseitig. Das chemische Aufweichen des Zahnschmelzes durch Erosion ermöglicht den verstärkten Abrieb des Zahns durch Abrasion. Ein angegriffener Zahnschmelz ist dann wiederum empfindsamer für erosive Säureangriffe und kann weiter zerstört werden.

Warum die richtige Mundhygiene so wichtig ist

Eine Möglichkeit zur Vermeidung von Zahnschäden kann eine optimierte Mundhygiene sein. Neben dem richtigen Zeitpunkt des Zähneputzens kommt es auch auf die richtige Putztechnik an: von Rot (=Zahnfleisch) nach Weiß (=Zahn) putzen schont das Zahnfleisch. Dabei sollte man nicht zu fest andrücken, um den Zahnschmelz zu schützen. Sein Augenmerk sollte man zudem auf die richtige Bürstenwahl legen. Harte Zahnbürsten zum Beispiel reinigen die Zahnoberfläche keineswegs besser und können bei zu festem Andrücken den Zahnschmelz „wegschrubben“. Auch ist es ratsam, fluoridhaltige Zahnpasten und zinnflouridhaltige Mundspülungen zu verwenden. Sie wirken erosionshemmend, antibakteriell und entzündungshemmend. Zweimal am Tag sollten die Zähne damit behandelt werden. Eine Fluoridierung im Rahmen einer Prophylaxe oder professionellen Zahnreinigung (PZR) in der Zahnarztpraxis erhöht den Schutz zusätzlich.

Wie der Zahnarzt helfen kann

Hat man bereits Probleme mit den Zähnen, kann der Zahnarzt auch hier helfen. Er kann Zahnerosionen im Frühstadium erkennen und Tipps zur Ernährung und Zahnpflege geben. Zähne, die bereits erosive Schäden aufweisen, kann der Zahnarzt je nach Schweregrad regelmäßig mit einem Fluoridlack bestreichen oder den Zahnschmelzdefekt mit einer Füllung versorgen.

Heißt das jetzt, dass man das Glas Orangensaft besser stehen lassen sollte? Nein! Denn insgesamt überwiegen die positiven Folgen auf die allgemeine Gesundheit und man sollte wegen der möglichen negativen Auswirkungen auf die Zahngesundheit nicht auf den Genuss verzichten. Verzichten darf man dann aber auch nicht auf die richtige Mundhygiene danach.

Alles beachtet? Dann FRÖHLICHES PRESSEN & GENIESSEN!

 

 

Quellen:

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  • Universität Bern: „Das erosive Potenzial verschiedener Getränke, Speisen und Medikamente“ | Vademecum
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  • Grunau O., Ganß C, Schlüter N. Neue Strategien zur Prävention und Therapie von Erosionen. Zahnmedizin Up2date. 1/ 2013: 15-29.
  • Das Gesundheitsportal medondo.health